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Nous
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Nous oder Nus (altgriechisch ÎœÎżáżŠÏ []) ist ein Begriff der antiken griechischen Philosophie. In der philosophischen Fachsprache bezeichnet der Ausdruck die menschliche FĂ€higkeit, etwas geistig zu erfassen, und die Instanz im Menschen, die fĂŒr das Erkennen und Denken zustĂ€ndig ist. AuĂerdem hat das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch auch andere Bedeutungen. Im Deutschen wird âNousâ meist mit âGeistâ, âIntellektâ, âVerstandâ oder âVernunftâ wiedergegeben. Die gĂ€ngigste lateinische Entsprechung ist intellectus, doch werden auch mens, ratio und ingenium als Ăquivalente verwendet. In metaphysischen und kosmologischen Lehren, die von einer göttlichen Lenkung der Welt ausgehen, wird als Nous auch ein im Kosmos wirkendes Prinzip bezeichnet, die göttliche Weltvernunft.
Contents
âą Platon
âą Aristoteles
âą Aristoteliker
âą Platon
âą Aristoteles
âą Literatur
âą Anmerkungen
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Etymologie und verwandte Begriffe
Die Etymologie des Wortes nous ist in der Forschung umstritten. Einer Ă€lteren Hypothese zufolge ist es von einer erschlossenen Form ÏΜÏÏÎżÏ (snĂłwos) abzuleiten, die mit âschnĂŒffelnâ im Sinne von âeine Gefahr witternâ zusammenhĂ€ngt (vergleiche auch englisch to sniff). Demnach handelt es sich um das Erfassen eines Sachverhalts aufgrund von Sinneswahrnehmung. Nach einer neueren Forschungsmeinung besteht ein Zusammenhang mit ΜΔáżÏÎαÎč (neĂsthai, âzurĂŒckkehrenâ) und ΜÏÏÏÎżÏ (nĂłstos, âRĂŒckkehrâ).cite-ref-1[1]
Das zugehörige Verb ist ÎœÎżÎ”áżÎœ (noeĂn, âwahrnehmen, denkenâ). Zur selben Wortfamilie gehören weitere philosophische Begriffe: âNoesisâ (DenktĂ€tigkeit, Denkakt) mit dem zugehörigen Adjektiv ânoetischâ (griechisch ÎœÎżÎ·ÏÏÏ noÄtĂłs), âNoetikâ (ein Teilgebiet der Logik oder eine nichtpsychologische Erkenntnislehre, bei Edmund Husserl die PhĂ€nomenologie der Vernunft), âNoemaâ (Gedanke, einzelner Denkinhalt), âNoumenonâ (das Gedachte, bei Kant das Ding an sich) und âDianoiaâ (diskursives Denken). WĂ€hrend im Griechischen diĂĄnoia (ÎŽÎčÎŹÎœÎżÎčα) oft eine âdianoetischeâ Denkweise (schlussfolgerndes Voranschreiten) bezeichnet, ist mit nous hĂ€ufig speziell ein intuitives ânoetischesâ Denken gemeint (unmittelbares Erfassen eines evidenten Sachverhalts). Somit entspricht dianoia eher dem deutschen Begriff âVerstandâ, nous eher dem deutschen Vernunft-Begriff. Der Sprachgebrauch in den antiken Quellen ist allerdings nicht einheitlich und nicht immer klar.cite-ref-2[2]
Der Nous als Instanz im Menschen
Vorsokratische Zeit
Das Substantiv nous (ursprĂŒnglich in der unkontrahierten Form nĂłos) und das Verb noein kommen schon im vorphilosophischen Sprachgebrauch der archaischen Zeit vor. Inwieweit mit diesen AusdrĂŒcken damals klare, differenzierte Vorstellungen verbunden waren, ist nicht genau bekannt und in der Forschung umstritten. Homer verwendet noein auch in ZusammenhĂ€ngen, wo es um Sinneswahrnehmung geht (âerkennenâ im Sinne von âwahrnehmenâ, âbemerkenâ), beispielsweise in der Aussage âEr wurde mit den Augen gewahrâ.cite-ref-3[3] Die Sinneswahrnehmung ist bei ihm eng mit der Verarbeitung der von ihr gelieferten EindrĂŒcke verbunden, die Sinnesorgane sind gleichsam Werkzeuge des Denkens. Die TĂ€tigkeit des Nous erscheint als der geistige Aspekt des Wahrnehmens, den man mit âInnewerdenâ oder âRealisierenâ wiedergeben kann. Trotz der engen VerknĂŒpfung der Sinneswahrnehmung mit ihrer Auswertung unterscheidet Homer aber auch zwischen der Wahrnehmung als solcher und dem von ihr veranlassten Begreifen, beispielsweise der Erkenntnis, dass eine wahrgenommene Situation gefĂ€hrlich ist. FĂŒr diesen homerischen Nous ist charakteristisch, dass er nicht analysierend erwĂ€gt, sondern die Situation unmittelbar erfasst und eine angemessene Reaktion veranlasst. Daneben kann noos bei dem Dichter aber auch das Denken eines Menschen bezeichnen, der einen inneren Monolog fĂŒhrt, der sich etwas ausdenkt und etwas plant.cite-ref-4[4]
Die philosophische Begriffsverwendung knĂŒpfte an die umgangssprachliche an. Auch in philosophischen Texten ging es um das richtige VerstĂ€ndnis dessen, was dem Wahrnehmbaren als RealitĂ€t zugrunde liegt. Das Ziel der Philosophen war aber nicht wie bei den Gestalten Homers das handlungsorientierte Erfassen einer Absicht oder der Bedeutung einer gegebenen konkreten Situation, sondern Einsicht in eine hinter dem Augenschein verborgene Wirklichkeit.cite-ref-5[5]
Vorsokratische Philosophen wie Empedokles und Demokrit grenzten das Denken nicht klar als FĂ€higkeit oder TĂ€tigkeit besonderer Art vom Wahrnehmen ab. Sie betrachteten es ebenso wie das Wahrnehmen als körperlichen Vorgang, bei dem materiell Gleiches von Gleichem erfasst wird. Das machte ihnen spĂ€ter Aristoteles zum Vorwurf.cite-ref-6[6] So glaubte Empedokles, das âum das Herz flieĂende Blutâ sei der TrĂ€ger der Denkkraft.cite-ref-7[7] Er meinte, das Blut sei der am besten gemischte Stoff und daher als Sitz der Erkenntnis geeignet.
Die Voraussetzungen fĂŒr eine klare Unterscheidung von SinnesaktivitĂ€t und DenktĂ€tigkeit schuf Parmenides. Er bestimmte als alleinigen Gegenstand des Denkens das zeitunabhĂ€ngig Seiende, dessen Gegensatz zum Bereich der vergĂ€nglichen Sinnesobjekte er betonte. Nach seiner Lehre existiert nur das Ăberzeitliche und daher Unwandelbare wirklich. Die Welt der verĂ€nderlichen Dinge ist unreal und ihrem Wesen nach trĂŒgerisch, sie kommt somit nicht als Objekt eines Denkens, das zu wahren Aussagen fĂŒhren soll, in Betracht. Das ĂŒberzeitliche Sein hingegen kann vom Denken adĂ€quat erfasst werden, da Denken und Sein die gleiche Beschaffenheit aufweisen und eine untrennbare Einheit bilden. Daher ist der Nous diejenige Instanz im Menschen, die auf sich allein gestellt zur Wahrheitserkenntnis befĂ€higt ist. Von dieser FĂ€higkeit macht der Denker Gebrauch, wenn er sich dem unverĂ€nderlichen Sein zuwendet. Dabei setzt er auch diskursives, folgerndes Denken ein. Nach der Lehre des Parmenides ist nicht nur das unmittelbare Erfassen des Seins, sondern auch logisches SchlieĂen eine AktivitĂ€t des Nous.
In der Forschung seit langem umstritten ist die Frage, was bei Parmenides die genaue Bedeutung des Verbs noein ist. Manche Philosophiehistoriker sehen darin in erster Linie ein Erkennen als unfehlbares intuitives Erfassen der Wahrheit; daher sei noein â wie schon Martin Heidegger in seiner Parmenides-Interpretation darlegte â eigentlich nicht mit âdenkenâ angemessen wiederzugeben, sondern eher mit âerkennenâ. Heidegger ĂŒbersetzt es als âvernehmenâ, da es ein reines anschauendes Vernehmen von etwas Vorhandenem in dessen purer Vorhandenheit sei. Entsprechende Forscher berufen sich auf die Behauptung des Parmenides, es gebe kein noein des Nichtseienden. Sie meinen, mit noein könne somit kein Denken gemeint sein, denn etwas Nichtseiendes könne durchaus gedacht werden. Eine andere Forschungsrichtung zieht die Ăbersetzung âdenkenâ vor und weist darauf hin, dass noos und noein bei Parmenides durchaus irrtumsfĂ€hig sind. Festzuhalten bleibt, dass Parmenides dem menschlichen noein die FĂ€higkeit zur korrekten Erfassung seines Gegenstands, des Seienden, zuschreibt, doch nur unter Voraussetzungen, die nicht von vornherein gegeben sind, sondern vom Denker erst geschaffen werden mĂŒssen.cite-ref-9[9]
Platon
Platon greift den Ansatz des Parmenides auf und arbeitet eine scharfe Unterscheidung zwischen den körperlichen Objekten der Sinneswahrnehmung und einem rein geistigen, nur dem Nous zugĂ€nglichen Bereich heraus. Unter Noesis versteht er das höchste Erkenntnisvermögen, diejenige BetĂ€tigung des Nous, mit der dieser das unwandelbare Seiende unmittelbar und wirklichkeitsgemÀà erfasst, unabhĂ€ngig von jeder Sinneswahrnehmung. Dazu sind grundsĂ€tzlich alle Seelen von Natur aus befĂ€higt, doch diejenigen, welche sich mit Körpern verbunden haben, haben dadurch meist die noetische ErkenntnisfĂ€higkeit verloren. Das gilt fĂŒr die Seelen der Tiere, aber auch fĂŒr die weitaus meisten Seelen der Menschen. Eine Wiedererlangung der eingebĂŒĂten FĂ€higkeit hĂ€lt Platon fĂŒr möglich; den Weg dazu bietet fĂŒr ihn die Philosophie.cite-ref-10[10]
Der noetischen Erkenntnisweise, die allein echtes Wissen vermittelt, ist im Platonismus die Dianoia (das von SinneseindrĂŒcken ausgehend folgernde Denken) untergeordnet. Die Dianoia, zu der das teilweise wahrnehmungsbezogene Denken der Mathematiker zĂ€hlt, kann zwar auch zu Wissen fĂŒhren, doch ist sie irrtumsanfĂ€llig, weil sie auf trĂŒgerischen SinneseindrĂŒcken und unbewiesenen Voraussetzungen fuĂt. Alles Denken, das sich nicht ausschlieĂlich auf Nichtsinnliches richtet, erzeugt nur eine unzulĂ€ngliche, möglicherweise falsche Meinung (doxa).
Platon ist der Ăberzeugung, dass der Nous stets an eine Seele gebunden ist, ohne die er nicht existieren kann.cite-ref-11[11] Im Rahmen der natĂŒrlichen Ordnung des Seelenlebens beherrscht und lenkt der Nous die Seele. Sofern er die ihm zustehende Lenkfunktion tatsĂ€chlich ausĂŒben kann, handelt der Mensch besonnen und ethisch korrekt. Fehlverhalten ist auf eine Störung der innerseelischen hierarchischen Ordnung zurĂŒckzufĂŒhren.
Aristoteles
Wesentliche Teile der Nouslehre des Aristoteles sind in seinen Werken nur skizzenhaft dargestellt, nicht systematisch ausgearbeitet, und die Ăbertragung seiner Begriffe in moderne Terminologie ist problematisch. Daher ist die Interpretation zentraler Elemente in der Forschung umstritten.
FĂŒr Aristoteles ist der Nous als Denkvermögen der oberste Seelenteil des Menschen, definiert als âdas, womit die Seele denkt und Annahmen machtâ.cite-ref-12[12] Dieser Teil ist nur in der menschlichen Seele vorhanden, wĂ€hrend das Wahrnehmungsvermögen auch den Tieren und die fĂŒr die ErnĂ€hrung zustĂ€ndige Funktion der Seele allen biologisch beschreibbaren Lebewesen zukommt. Nicht nur tatsĂ€chliche Erkenntnisse, sondern auch falsche Meinungen werden ausschlieĂlich vom Nous hervorgebracht. Die FĂ€higkeit der Tiere, sich aufgrund ihrer Wahrnehmungen situationsgerecht zu verhalten, fĂŒhrt Aristoteles auf eine besondere Funktion des tierischen Wahrnehmungsvermögens zurĂŒck, die sich ihrem Wesen nach von der TĂ€tigkeit des menschlichen Nous unterscheidet.
Der Nous ist selbst formlos, er weist keine vorgegebenen Inhalte auf und hat keine eigene Natur (abgesehen von seiner uneingeschrĂ€nkten AufnahmefĂ€higkeit) und kein ihm zugeordnetes Organ. Aristoteles vergleicht ihn mit einer leeren Schreibtafel. Wegen dieser Unbestimmtheit ist der Nous in der Lage, alle Formen in sich aufzunehmen, er verfĂŒgt also der Möglichkeit nach ĂŒber sie. Erst wenn er eine bestimmte Form denkend aufnimmt, wird aus der Möglichkeit hinsichtlich dieser Form Wirklichkeit. Der Nous wird jeweils das was er denkt, solange er es denkt; fĂŒr alles Nichtmaterielle gilt, dass Subjekt und Objekt des Denkens identisch sind.cite-ref-13[13] Im Unterschied zu den beiden anderen Seelenteilen ist der Nous nicht mit dem Körper vermischt, sondern autonom, doch benötigt er fĂŒr seine TĂ€tigkeit die Vorstellungen (Phantasmata), die der wahrnehmende Seelenteil hervorbringt. Die ernĂ€hrende und die wahrnehmende Seele existieren von Anfang an nur in Verbindung mit dem Körper, der Nous hingegen zeichnet sich durch ein vom Körper unabhĂ€ngiges Dasein aus. Er kommt von auĂen her in den Körper (âzur TĂŒr hereinâ).
Aristoteles verwirft die Ansicht, es könne eine materielle Basis und ErklĂ€rung fĂŒr die TĂ€tigkeit des Nous geben. Nach seiner Argumentation hĂ€tte eine materielle Basis zur Folge, dass das Denken so wie die Sinne auf bestimmte Arten von Objekten und auf bestimmte rĂ€umliche Bereiche beschrĂ€nkt wĂ€re. Nichtseiendes wĂ€re dann fĂŒr den Nous unvorstellbar, zu Entferntem hĂ€tte er allenfalls mittels einer materiellen Ăbertragung, mit der die Distanz ĂŒberwunden wird, Zugang. Der Nous kann aber alles gleichermaĂen denken, er agiert unabhĂ€ngig von der Existenz oder der Distanz des Gedachten. AuĂerdem kann nichts Denkbares den Nous durch ein ĂbermaĂ schĂ€digen oder zerstören, im Gegensatz zu den Sinnen, bei denen ĂŒbermĂ€Ăig starke EindrĂŒcke Zerstörung anrichten.
Wie Platon unterscheidet auch Aristoteles das zuverlĂ€ssige noetische Erfassen einzelner einfacher Sachverhalte, die BetĂ€tigung des Nous im engeren Sinne, vom folgernden und vergleichenden Denken, das auf der möglicherweise irrigen Ableitung eines Gedankens aus einem anderen beruht und daher fehlbar ist. Prinzipien, die fĂŒr eine wissenschaftliche BeweisfĂŒhrung vorausgesetzt werden mĂŒssen, aber selbst nicht deduktiv ableitbar sind, können nur auf noetischem Weg gewonnen werden. Diesen Vorgang hĂ€lt Aristoteles aber nicht fĂŒr intuitiv im Sinne einer platonischen Wesensschau, sondern deutet ihn empirisch als Ergebnis wiederholter Wahrnehmung: Aus mehreren Wahrnehmungen bildet sich eine Erinnerung, mehrere Erinnerungen ermöglichen Verstehen (lĂłgos); eine Mehrzahl von Erinnerungen fĂŒhrt zu einer bestimmten Erfahrung (empeirĂa), auf vielen Erfahrungen fuĂt die Prinzipienerkenntnis.cite-ref-14[14]
Eine wichtige Rolle spielt in der Philosophie des Aristoteles die Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten des Nous, die fĂŒr jeden menschlichen Denkvorgang benötigt werden. Eine Art ist der âerleidendeâ Nous, der affiziert wird, der nur Einwirkungen erfahren kann (nous pathÄtikĂłs). Diesen passiven Nous hĂ€lt Aristoteles fĂŒr vergĂ€nglich. Ein andersartiger Nous ist der bewirkende (von spĂ€teren Kommentatoren nous poiÄtikĂłs genannt, lateinisch intellectus agens). Nur der bewirkende Intellekt, der Nous im eigentlichen Sinn, ist fĂŒr Aristoteles ewig, immateriell und autonom. Er ĂŒberfĂŒhrt die Denkobjekte aus der Möglichkeit, denkbar zu sein, in die Wirklichkeit, Denkgegenstand zu sein. Der bewirkende Intellekt verhĂ€lt sich zum erleidenden wie das Licht zu den Farben, die es sichtbar macht.cite-ref-15[15] Er ist selbst von keinerlei Einwirkungen betroffen. Sein unablĂ€ssiges Wirken ist fĂŒr Aristoteles der höchste Zweck des menschlichen Daseins und zugleich die höchste Art GlĂŒckseligkeit, die der Mensch erreichen kann.cite-ref-16[16] IrrtĂŒmer, die beim Denken unterlaufen, sind darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass der erleidende Nous, der zu den vergĂ€nglichen Dingen gehört, wie der Körper einem Zerstörungsprozess unterliegt.
Aristoteliker
Die in der Antike als Peripatetiker bezeichneten SchĂŒler des Aristoteles und spĂ€teren AnhĂ€nger des Aristotelismus setzten in der Nous-Lehre teils andere Akzente als er oder widersprachen seiner Auffassung. Theophrastos von Eresos, der Nachfolger des Aristoteles als Schulleiter (Scholarch), betonte, dass der mögliche Intellekt nicht reine Möglichkeit sei in dem Sinne, dass er schlechthin ânichtsâ ist, solange er nicht durch einen Gedanken in den Akt ĂŒberfĂŒhrt wird. Vielmehr sei er auch als bloĂe Möglichkeit im selben Sinne real wie materielle Substrate. Theophrasts Nachfolger Straton von Lampsakos wandte sich gegen die strikte Trennung von Wahrnehmung und Denken. Er meinte, der Nous sei nicht erst fĂŒr die Auswertung der Wahrnehmungen zustĂ€ndig, sondern schon am Wahrnehmungsakt maĂgeblich beteiligt, denn er sei es, der sieht und hört, indem er die Reizung der Sinnesorgane bemerkt.
In der römischen Kaiserzeit setzte sich der einflussreiche Aristoteles-Kommentator Alexander von Aphrodisias mit der aristotelischen Vorstellung eines von auĂen in den Körper hereinkommenden Nous auseinander. Er meinte, dies könne nicht rĂ€umlich zu verstehen sein, sondern sei in ĂŒbertragenem Sinn als Aktivierung des Denkpotentials durch das Einsetzen eines Denkvorgangs aufzufassen, da der Verstand keinen Ortswechsel durchfĂŒhre. Alexander nahm eine Dreiteilung des Nous vor, indem er die erleidende Seite teilte: Dem bewirkenden (aktuellen) Nous stellte er einen potentiellen (möglichen) und einen habituellen gegenĂŒber. Der potentielle (mögliche) Nous (dynĂĄmei nous, lateinisch intellectus possibilis) ist potentiell (der Möglichkeit nach) in der Lage, die Denkobjekte zu erfassen, doch verwirklicht er von sich aus diese Denkmöglichkeit nicht. Nach Alexanders Lehre ist er âmaterieartigâ (hylikĂłs), er ist reine Potenz. Unter dem Einfluss des bewirkenden geht er in den habituellen (nous en hĂ©xei) oder erworbenen (epĂktÄtos nous) ĂŒber. Der habituelle Intellekt ist derjenige, der bereits intelligible Formen aufgenommen hat, so dass Wissen vorhanden ist.cite-ref-17[17]
Die spĂ€tantiken Aristoteles-Kommentatoren, die mit Ausnahme von Themistios Neuplatoniker waren, vermischten in ihrer Nous- und Seelenlehre platonisches mit aristotelischem Gedankengut. Themistios, ein neuplatonisch beeinflusster Aristoteliker des 4. Jahrhunderts, vertrat ein aristotelisches Konzept mit neuplatonischen Elementen. Wie Alexander von Aphrodisias unterschied er drei Arten von Nous. Er meinte, der mögliche Nous sei nicht mit dem Körper vermischt. Er könne ebenso wie der bewirkende Nous vom Körper abgetrennt werden; beide seien unvergĂ€nglich, aber nicht im Sinne von Fortexistenz eines IndividualitĂ€tsbewusstseins nach dem Tode, denn beide seien ĂŒberindividuell. Daneben gebe es noch einen dritten, erleidenden Nous (pathÄtikĂłs nous), der untrennbar mit dem Körper verbunden und somit vergĂ€nglich sei; auf ihm beruhe das IndividualitĂ€tsbewusstsein. Der erleidende Nous sei fĂŒr das GedĂ€chtnis, die GemĂŒtsbewegungen und das diskursive Denken zustĂ€ndig.cite-ref-18[18] Manche spĂ€tantike Kommentatoren identifizierten den erleidenden Nous mit der Vorstellungskraft (phantasĂa).cite-ref-19[19]
Der Nous als ontologisches und kosmologisches Prinzip
Vorsokratische Zeit
UnabhĂ€ngig von der Reflexion auf die spezifisch menschliche Denk- und ErkenntnisfĂ€higkeit bildet sich schon in der vorsokratischen Philosophie die Vorstellung aus, es gebe auch eine ĂŒbermenschliche, universale, dem göttlichen Bereich zugeordnete Vernunft, die fĂŒr die gesamte Ordnung und Lenkung des Kosmos zustĂ€ndig sei. Heraklit nennt die Weltvernunft Logos, andere Vorsokratiker verwenden den Ausdruck âNousâ. Xenophanes schreibt der Gottheit die FĂ€higkeit zu, alles âmit der Kraft ihres Nousâ zu erschĂŒttern.cite-ref-20[20] Anaxagoras nimmt einen ewigen kosmischen Nous an, dem er göttliche Eigenschaften und Funktionen zuweist, insbesondere Unendlichkeit (Grenzenlosigkeit) und die Rolle der Instanz, die alles weiĂ, arrangiert und ordnet. FĂŒr diesen Vorsokratiker ist der Nous ein eigenstĂ€ndiges Prinzip, das die sinnlich wahrnehmbare Welt autonom beherrscht und die VerĂ€nderungen in ihr verursacht; er ist homogen, mit nichts vermischt, er ist das Feinste und Reinste. Daraus geht hervor, dass Anaxagoras den Nous nur graduell, nicht prinzipiell von der Materie unterscheidet und ihn nicht fĂŒr transzendent hĂ€lt. In seiner Lehre ist der Nous das Prinzip des Werdens, aber nicht selbst in den Prozess des Werdens eingebunden.cite-ref-21[21]
Platon
In Platons Philosophie gehört die Lehre von der VernĂŒnftigkeit der Weltordnung zu den Kerngedanken. Der Nous herrscht als Weltvernunft ĂŒber Himmel und Erde. In der platonischen Schöpfungslehre ist es der Demiurg (Schöpfergott), dessen Nous die Ideen, die ewigen Urbilder der sinnlich wahrnehmbaren Dinge, dem physischen Kosmos vermittelt und diesem dadurch Gestalt verleiht. Dabei benötigt der göttliche Nous, um auf den ihm fremden raumzeitlichen Bereich der Materie einwirken zu können, die Weltseele als Zwischeninstanz. Durch diesen geistigen Einfluss erhĂ€lt die von sich aus ungestaltete, chaotische Sinneswelt ihre vernunftgemĂ€Ăe und damit auch schöne Struktur und wird zugleich belebt, denn die platonische Ideenwelt, der sie alles verdankt, ist selbst von Leben durchdrungen. Als Erzeugnis der Ideenwelt ist die Welt der sinnlich wahrnehmbaren Formen ein von der Weltseele beseeltes und gelenktes Lebewesen. Sie ist auch selbst vernĂŒnftig, da der Demiurg die Weltseele mit einem eigenen Nous ausgestattet hat, der die Ursache der regelmĂ€Ăigen AblĂ€ufe im Kosmos ist.
Vom Nous geht nur Gutes aus, seine schöpferische TĂ€tigkeit zielt stets auf das Bestmögliche. Allerdings ist seine Herrschaft im Kosmos nicht absolut. Das Prinzip, das seinen Einfluss auf die materielle Welt einschrĂ€nkt, ist die Notwendigkeit (anĂĄnkÄ). Die Notwendigkeit setzt dem innerhalb des materiellen Bereichs Realisierbaren diejenigen Grenzen, die sich notwendigerweise aus der Natur der Materie ergeben. Die Materie ist nĂ€mlich ihrer Natur nach nicht dazu geeignet, sich ebenso wie die geistige Welt widerstandslos vom Nous gestalten und lenken zu lassen. Ihre naturgegebene (und damit notwendige) Mangelhaftigkeit lĂ€sst das nicht uneingeschrĂ€nkt zu. Im Schöpfungsmythos, der in Platons Dialog Timaios erzĂ€hlt wird, bewegt der Nous die Notwendigkeit durch âvernĂŒnftige Ăberredungâ zur Unterwerfung und zu konstruktivem Zusammenwirken.cite-ref-22[22] Sein Walten setzt sich gegenĂŒber dem ZufĂ€lligen, Ungeordneten, das notwendigerweise aus der Beschaffenheit der Materie resultiert, weitgehend durch. Daraus ergibt sich, dass im Kosmos Ordnung und GesetzmĂ€Ăigkeit vorherrschen. Die Tendenz der Materie zum Chaotischen wird durch die Einwirkung des Nous eingedĂ€mmt. Somit ist die Welt, in der die Menschen leben, nicht als Erzeugnis des vollkommenen Nous in jeder Beziehung schlechthin optimal. Vielmehr sind die bestehenden Gegebenheiten nur das Beste, was der Nous hier der Notwendigkeit abringen kann.cite-ref-23[23]
Aristoteles
Auch fĂŒr Aristoteles ist der Nous nicht nur ein Teil der menschlichen Seele, sondern er bezeichnet mit diesem Begriff auch ein kosmologisches Prinzip, den âersten Bewegerâ. Der erste Beweger ist die ewige, selbst unbewegte, keiner Beeinflussung oder VerĂ€nderung unterliegende Substanz, welche alle Bewegung verursacht. Die beweglichen Dinge sind in Bewegung, weil sie von ihrem Streben zum unbewegten Beweger angetrieben werden. Dieser ist somit zwar die Ursache ihrer Bewegung, doch ohne dass er selbst hinsichtlich des Kosmos irgendeine Absicht verfolgt. Seine UrsĂ€chlichkeit ergibt sich aus seiner Existenz; er schafft die Bewegung nicht, sondern löst sie nur aus.
Im Gegensatz zu den der Möglichkeit nach (potentiell) existierenden, nur zeitweilig verwirklichten Dingen ist der Nous als erster Beweger reine Wirklichkeit (enĂ©rgeia, Akt) im Sinne der aristotelischen Unterscheidung von Akt und Potenz. Das Denken ist als höchstrangige AktivitĂ€t zugleich die einzige, die dem ersten Beweger angemessen ist und ihm daher auch notwendigerweise immer zukommt. Daraus folgt im Aristotelismus, dass der Nous unablĂ€ssig denkt. Da das Objekt seines Denkens nichts sein kann, was von niedrigerem Rang ist als er selbst (anderenfalls wĂ€re seine WĂŒrde durch die Hinwendung zu etwas Geringerem beeintrĂ€chtigt), kann er nur sich selbst denken. Somit ist die DenktĂ€tigkeit des Nous ausschlieĂlich auf ihn selbst bezogen, sie ist nĂłÄsis noážseĆs (âDenken des Denkensâ).cite-ref-24[24] Da fĂŒr Aristoteles der erste Beweger das höchste Prinzip ist, lokalisiert er den mit diesem Prinzip gleichgesetzten Nous an der Spitze der ontologischen Hierarchie.
Hellenismus und römische Kaiserzeit
FĂŒr Platons SchĂŒler Speusippos ist der Nous mit dem Demiurgen identisch, er ist ein transzendenter Gott.cite-ref-25[25] Xenokrates, ein weiterer SchĂŒler Platons, setzt den Nous mit der monĂĄs gleich, dem Einen (hen) als dem ontologisch höchsten Prinzip und der obersten Gottheit.cite-ref-26[26]
Im Mittelplatonismus und im Neupythagoreismus ist die Auffassung verbreitet, das ontologisch höchste Prinzip sei mit dem Seienden und zugleich mit dem Nous und mit Platons Demiurgen zu identifizieren. Die Mittelplatoniker betonen die Transzendenz dieses Prinzips gegenĂŒber den ĂŒbrigen Seinsstufen, die ihm alle untergeordnet seien. Mit der Positionierung des Nous an der Spitze der hierarchischen Rangordnung stimmen sie mit Aristoteles und Xenokrates ĂŒberein.cite-ref-27[27] Dieser Ansicht schlieĂt sich auch der Verfasser der ChaldĂ€ischen Orakel an; er stellt den âersten Nousâ als âMonasâ an die Spitze seines Systems und fasst die Weltseele, die in seiner Stufenordnung unmittelbar auf diese oberste Gottheit folgt, als zweiten Nous auf. Auch der einflussreiche Mittelplatoniker Numenios nimmt unter dem ersten Nous einen zweiten an, den er fĂŒr den Schöpfer des sinnlich wahrnehmbaren Kosmos hĂ€lt.cite-ref-28[28]
Im 3. Jahrhundert fasst Plotin, der BegrĂŒnder des Neuplatonismus, die Ideen mit Berufung auf Platon als die Inhalte der zeitlosen Selbstanschauung des absoluten, ĂŒberindividuellen Nous auf. Diesen Nous identifiziert er mit dem ursprĂŒnglich Seienden und â wie schon die Mittelplatoniker â mit dem Demiurgen. Im Unterschied zu den Mittelplatonikern grenzt er den Nous aber scharf vom Einen, dem höchsten Prinzip, ab. Das Eine hĂ€lt er fĂŒr âĂŒberseiendâ, der Nous ist bei ihm das Abbild des Einen und als solches das zweithöchste, dem Einen unmittelbar untergeordnete Prinzip. AusfĂŒhrlich begrĂŒndet Plotin seine Ăberzeugung, dass das Eine vom Nous verschieden und ihm ĂŒbergeordnet sei. Er argumentiert, wenn das Denken des Nous sich auf ihn selbst beziehe, sei er zugleich Denkendes und Gedachtes und damit sei in ihm bereits eine Zweiheit gegeben, die seine IdentitĂ€t mit dem absolut Einen ausschlieĂe. Wenn sich der Nous aber denkend einem Objekt zuwende, das auĂerhalb von ihm ist, so werde dieses Objekt als ihm vorgĂ€ngiges Prinzip vorausgesetzt, was ebenfalls die Annahme einer vorhandenen Zweiheit erfordere und damit die Gleichsetzung des Nous mit dem höchsten Prinzip, dem ursprĂŒnglich Einen, verunmögliche.cite-ref-29[29]
Plotin ist der Auffassung, dass der Nous sich einerseits dem Einen zuwendet (âauf es hinblicktâ), andererseits aber auch bei sich selbst ist und â wie schon Aristoteles annahm â sich selbst denkt. Dieses Denken ist ein unmittelbares Erfassen der in ihm enthaltenen Denkobjekte. Im Nous bilden Denksubjekt, Denkobjekt und der ĂŒberzeitlich zu verstehende Denkakt eine Einheit, das Denkobjekt hat ontologisch keine PrioritĂ€t vor dem Denken. Neben dem Denken und dem Sein hebt Plotin das Leben als drittes Merkmal des Nous hervor. Die Einzelseele ist grundsĂ€tzlich fĂ€hig, zum ĂŒberindividuellen Nous aufzusteigen und sich ihm dabei so anzugleichen, dass sie ihn intuitiv erfassen kann.cite-ref-30[30]
Bei den spĂ€tantiken Neuplatonikern Iamblichos, Syrianos und Proklos wird die Nous-Lehre ausgebaut und durch Untergliederung des Nous ausdifferenziert. Iamblichos fĂŒhrt innerhalb des Nous die Unterscheidung zwischen einer höherrangigen âintelligiblen Weltâ (kĂłsmos noÄtĂłs) und einer untergeordneten âintellektualen Weltâ (kĂłsmos noerĂłs) ein, wobei er beiden noch eine Binnenstruktur zuweist. Syrianos und Proklos ergĂ€nzen dieses zweistufige Modell um eine Zwischenstufe, die âintelligible und intellektuale Weltâ. FĂŒr Proklos ist in der hierarchischen Stufenordnung jede Stufe das Erzeugnis des Denkakts der jeweils unmittelbar ĂŒbergeordneten Stufe.
Mittelalter und Neuzeit
Im Byzantinischen Reich wirkten neuplatonische Nous-Vorstellungen ĂŒber die Werke einflussreicher Theologen wie Pseudo-Dionysius Areopagita und Maximus Confessor nach. Der spĂ€tantike christliche Neuplatoniker Pseudo-Dionysius, an dessen Konzept im 7. Jahrhundert Maximus anknĂŒpfte, nahm drei Bewegungsformen der Geistseele an: eine kreisförmige, mit der sich die Seele von allem ĂuĂeren zurĂŒckzieht und auf sich selbst konzentriert, eine spiralförmige, mit der sie diskursiv folgert, und eine geradlinige, mit der sie ihre Auseinandersetzung mit der Welt der Sinnesobjekte vollzieht. Die erste ordnete Maximus dem Nous als dem höchsten Erkenntnisvermögen des Menschen zu, die zweite dem Logos als zweitrangigem Erkenntnisvermögen und die dritte der Sinneswahrnehmung. Im lateinischsprachigen Westen griff im 9. Jahrhundert der Philosoph Eriugena diese Einteilung auf.cite-ref-31[31]
In der west- und mitteleuropĂ€ischen philosophischen Literatur des Mittelalters und der FrĂŒhen Neuzeit wurde fĂŒr den Intellekt gewöhnlich nicht der griechische Ausdruck nous, sondern das lateinische Wort intellectus verwendet. Allerdings diente intellectus auch speziell zur Bezeichnung der diskursiven VerstandestĂ€tigkeit im Gegensatz zur lateinisch ratio genannten Vernunft. Die Begriffsverwendung war nicht durchgĂ€ngig klar und konsequent.cite-ref-32[32]
In literarischen Darstellungen einer von antikem Gedankengut geprĂ€gten Kosmologie tritt im 12. Jahrhundert der Nous, als Noys latinisiert, bei Bernardus Silvestris und Alanus ab Insulis in der Rolle des personifizierten göttlichen Geistes auf. Bei diesen Autoren ist Noys eine allegorische weibliche Gestalt, welche die göttliche Weisheit und Vorsehung verkörpert und in der Schöpfung zur Geltung bringt. In Bernardusâ Dichtung Cosmographia gehört sie zu den Hauptfiguren und wird als Gottes Tochter bezeichnet.cite-ref-33[33]
Literatur
âą Gerhard JĂ€ger: âNUSâ in Platons Dialogen (= Hypomnemata Bd. 17). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1967
âą Christian Jung: Die doppelte Natur des menschlichen Intellekts bei Aristoteles. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2001, ISBN 978-3-8260-4407-6
âą Christian Jung: Prinzipienerkenntnis nach Aristoteles â Zur Deutung von Analytica Posteriora II 19. In: Salzburger Jahrbuch fĂŒr Philosophie 60, 2015, S. 71â100
âą Hans Joachim KrĂ€mer: Der Ursprung der Geistmetaphysik. Untersuchungen zur Geschichte des Platonismus zwischen Platon und Plotin, 2. Auflage, GrĂŒner, Amsterdam 1967
âą Maria Marcinkowska-RosĂłĆ: Die Konzeption des 'noein' bei Parmenides von Elea. De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-021759-9
âą Horst Seidl: Der Begriff des Intellekts (ÎœÎżáżŠÏ) bei Aristoteles im philosophischen Zusammenhang seiner Hauptschriften. Hain, Meisenheim am Glan 1971
⹠Fabio Stella, La notion d'Intelligence (Noûs-Noeßn) dans la GrÚce antique. D'HomÚre au Platonisme [archive], sur journals.openedition.org, 17 février 2016 (doi:10.4000/methodos.4615)
âą Fabio Stella, L'origine des termes ΜÏÎżÏ-ÎœÎżÎ”áżÎœ [archive], sur journals.openedition.org, 22 fĂ©vrier 2016 (doi:10.4000/methodos.4558)
âą Fabio Stella, Noos e noein da Omero a Platone, PUFC, 2021.
âą Thomas Alexander SzlezĂĄk: Platon und Aristoteles in der Nuslehre Plotins. Schwabe, Basel 1979, ISBN 3-7965-0724-7
Anmerkungen
cite-note-22. â Zur Problematik der Wiedergabe von nous im Deutschen siehe Rudolf Schottlaender: Nus als Terminus. In: Hermes 64, 1929, S. 228â242.
cite-note-44. â Zum Nous bei Homer siehe Arbogast Schmitt: SelbstĂ€ndigkeit und AbhĂ€ngigkeit menschlichen Handelns bei Homer, Stuttgart 1990, S. 130â141, 182â226. Schmitt kritisiert Ă€ltere Forschungsmeinungen, darunter diejenige von Kurt von Fritz. Vgl. Kurt von Fritz: Die Rolle des ÎœÎżáżŠÏ. In: Hans-Georg Gadamer (Hrsg.): Um die Begriffswelt der Vorsokratiker, Darmstadt 1968, S. 246â363, hier: 246â276; James H. Lesher: Perceiving and Knowing in the Iliad and Odyssey. In: Phronesis 26, 1981, S. 2â24, hier: 8â19; Thomas Buchheim: Die Vorsokratiker, MĂŒnchen 1994, S. 108â110, 112f.; Maria Marcinkowska-RosĂłĆ: Die Konzeption des 'noein' bei Parmenides von Elea, Berlin 2010, S. 33â44.
cite-note-55. â Kurt von Fritz: Die Rolle des ÎœÎżáżŠÏ. In: Hans-Georg Gadamer (Hrsg.): Um die Begriffswelt der Vorsokratiker, Darmstadt 1968, S. 246â363, hier: 279f., 283â285, 353f.
cite-note-66. â Horst Seidl: Der Begriff des Intellekts (ÎœÎżáżŠÏ) bei Aristoteles im philosophischen Zusammenhang seiner Hauptschriften, Meisenheim am Glan 1971, S. 17â19, 21â24.
cite-note-77. â Empedokles DK 31 B 105. Vgl. Maureen Rosemary Wright (Hrsg.): Empedocles: The Extant Fragments, New Haven 1981, S. 250â252.
cite-note-88. â Heraklit DK 22 B 40. Vgl. Miroslav Marcovich (Hrsg.): Heraclitus. Greek text with a short commentary, 2. Auflage, Sankt Augustin 2001, S. 61â66.
cite-note-99. â Eine ausfĂŒhrliche Ăbersicht ĂŒber die Forschungsdiskussion bietet Maria Marcinkowska-RosĂłĆ: Die Konzeption des 'noein' bei Parmenides von Elea, Berlin 2010, S. 17â33; sie selbst plĂ€diert fĂŒr die Ăbersetzung âdenkenâ.
cite-note-1010. â Filip Karfik: Gott als Nous. In: Dietmar Koch u. a. (Hrsg.): Platon und das Göttliche, TĂŒbingen 2010, S. 82â97, hier: 94â96.
cite-note-1111. â Amber D. Carpenter: Embodying Intelligence. In: John Dillon, Marie-Ălise Zovko (Hrsg.): Platonism and Forms of Intelligence, Berlin 2008, S. 39â57, hier: 40â43.
cite-note-1313. â Aristoteles, De anima 430a.
cite-note-1414. â Zu Aristotelesâ Umgang mit dieser erkenntnistheoretischen Problematik siehe James H. Lesher: The Meaning of ÎÎ΄Σ in the Posterior Analytics. In: Phronesis 18, 1973, S. 44â68 und Christian Jung: Prinzipienerkenntnis nach Aristoteles. Zur Deutung von Analytica Posteriora II 19. In: Salzburger Jahrbuch fĂŒr Philosophie 60, 2015, S. 71â100; vgl. Horst Seidl: Der Begriff des Intellekts (ÎœÎżáżŠÏ) bei Aristoteles im philosophischen Zusammenhang seiner Hauptschriften, Meisenheim am Glan 1971, S. 82â85.
cite-note-1515. â Aristoteles, De anima 430a. Siehe dazu den Kommentar von Ronald Polansky: Aristotleâs De anima, Cambridge 2007, S. 462â464 und Christian Jung: Die doppelte Natur des menschlichen Intellekts bei Aristoteles, WĂŒrzburg 2011, S. 98â103.
cite-note-1616. â Armin Hruby: Nous und Kosmos. Interpretationen zu Aristotelesâ und Hegels Anaxagoras-Rezeption, Köln 1986, S. 62â77.
cite-note-1717. â Zum VerstĂ€ndnis des Nous bei den Peripatetikern siehe Christof Rapp, Christoph Horn: Vernunft; Verstand. II. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 11, Basel 2001, Sp. 749â764, hier: 757â759; zur Nouslehre Alexanders Paul Moraux: Der Aristotelismus bei den Griechen, Bd. 3, Berlin 2001, S. 343â353, 373â382.
cite-note-1818. â Zur Intellektlehre des Themistios siehe Frederic M. Schroeder, Robert B. Todd: Two Greek Aristotelian Commentators on the Intellect, Toronto 1990, S. 37â39; Omer BallĂ©riaux: ThĂ©mistius et le nĂ©oplatonisme. In: Revue de Philosophie Ancienne 12, 1994, S. 171â200, hier: 173â186.
cite-note-1919. â Henry J. Blumenthal: Nous pathÄtikos in Later Greek Philosophy. In: Henry Blumenthal, Howard Robinson (Hrsg.): Aristotle and the Later Tradition, Oxford 1992, S. 191â205, hier: 197â205.
cite-note-2020. â Xenophanes DK 21 B 25. Siehe dazu Kurt von Fritz: Die Rolle des ÎœÎżáżŠÏ. In: Hans-Georg Gadamer (Hrsg.): Um die Begriffswelt der Vorsokratiker, Darmstadt 1968, S. 246â363, hier: 290f.
cite-note-2121. â Zu Anaxagorasâ Vorstellung vom Nous siehe Armin Hruby: Nous und Kosmos. Interpretationen zu Aristotelesâ und Hegels Anaxagoras-Rezeption, Köln 1986, S. 12â15, 20â23, 28â37; Kurt von Fritz: Der ÎÎ΄Σ des Anaxagoras. In: Archiv fĂŒr Begriffsgeschichte 9, 1964, S. 87â102, hier: 90â92.
cite-note-2222. â Platon, Timaios 48a.
cite-note-2323. â Zum VerhĂ€ltnis von Nous und Notwendigkeit im Timaios siehe Lothar SchĂ€fer: Das Paradigma am Himmel. Platon ĂŒber Natur und Staat, MĂŒnchen 2005, S. 183â197.
cite-note-2424. â Michael Bordt: noĂȘsis noĂȘseĂŽs. In: Otfried Höffe (Hrsg.): Aristoteles-Lexikon (= Kröners Taschenausgabe. Band 459), Stuttgart 2005, S. 374â376; Hans Joachim KrĂ€mer: Noesis Noeseos. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 6, Basel 1984, Sp. 871â873; Horst Seidl: Aristotelesâ Lehre von der ÎÎÎÎŁÎÎŁ ÎÎÎÎŁÎΩΣ des ersten, göttlichen Vernunftwesens und ihre Darstellung bei Plotin. In: JĂŒrgen Wiesner (Hrsg.): Aristoteles. Werk und Wirkung, Bd. 2, Berlin 1987, S. 157â176 (unterscheidet zwischen der Lehre des Aristoteles und ihrer Abwandlung bei spĂ€teren Peripatetikern).
cite-note-2525. â Hans Joachim KrĂ€mer: Der Ursprung der Geistmetaphysik, 2. Auflage, Amsterdam 1967, S. 214â217.
cite-note-2626. â Hans Joachim KrĂ€mer: Der Ursprung der Geistmetaphysik, 2. Auflage, Amsterdam 1967, S. 32â45, 57â62.
cite-note-2727. â Jens Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen, 2. Auflage, Leipzig 2006, S. 45f.; Hans Joachim KrĂ€mer: Der Ursprung der Geistmetaphysik, 2. Auflage, Amsterdam 1967, S. 45â59, 69.
cite-note-2828. â Hans Joachim KrĂ€mer: Der Ursprung der Geistmetaphysik, 2. Auflage, Amsterdam 1967, S. 27, 66â75.
cite-note-2929. â Jens Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen, 2. Auflage, Leipzig 2006, S. 48â50, 137f.
cite-note-3030. â Jens Halfwassen: Geist und SelbstbewuĂtsein, Stuttgart 1994, S. 21â30; Jens Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen, 2. Auflage, Leipzig 2006, S. 50, 130â149.
cite-note-3131. â Markus Enders: Vernunft; Verstand. III. Mittelalter. A. Augustinus, FrĂŒhmittelalter, FrĂŒhscholastik. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 11, Basel 2001, Sp. 764â770, hier: 766f.
cite-note-3232. â Siehe dazu den Artikel Vernunft; Verstand. I. Zur Terminologie. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 11, Basel 2001, Sp. 748f.
cite-note-3333. â Bernardus Silvestris: Cosmographia, hrsg. von Peter Dronke, Leiden 1978, S. 97â99, 102â104, 118â121, 126, 137, 140â142; vgl. S. 31â33, 38â40; Alanus ab Insulis: Anticlaudianus II 371, V 169, V 282, VI 434, VI 442, VI 461. Vgl. Winthrop Wetherbee: Platonism and Poetry in the Twelfth Century, Princeton 1972, S. 162â167, 178â181.